Abgabefristen

Dieses Jahr sollte Anfang August in den Finanzämtern Hochbetrieb herrschen: Erstmalig wurde als Abgabefrist der 31.Juli 2019 für das Steuerjahr 2018 festgelegt, mitten in der Ferienzeit. Nach dem Verstreichen der Abgabefristen müssen die Sachbearbeiter die Steuererklärungen für 2018 bearbeiten, die zum Stichtag 31. Juli eingegangen sind.

Man darf gespannt sein, wie sich die Verschiebung der Abgabefrist auf die Bearbeitungszeiten in den Finanzbehörden auswirken wird. Immerhin dürften in den Ferienmonaten auch die Finanzbeamten traditionell eher im Urlaub als im Büro anzutreffen sein.

Ihre ist noch nicht dabei? Sie haben die Abgabefrist verpasst? Dann sollten Sie langsam in die Puschen kommen! Insbesondere dann, wenn Sie zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind.

Steuererklärung: Wer muss pünktlich abgeben?

Als Arbeitnehmer sind Sie zur Abgabe verpflichtet, wenn Sie im letzten Jahr:

  • gleichzeitig bei mehreren Arbeitgebern beschäftigt waren.
  • unversteuerte Einkünfte über 410 Euro hatten, etwa Honorare, Renten oder Mieten.
  • einen Freibetrag auf ihrer Lohnsteuerkarte eingetragen hatten.
  • mit Ihrem berufstätigen Ehepartner zusammenveranlagt waren und einer von Ihnen nach Steuerklasse V oder VI besteuert wurde oder wenn Sie beide mit der Steuerklassenkombination IV/IV das Faktorverfahren gewählt haben.
  • Lohnersatzleistungen bezogen haben, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, zum Beispiel Elterngeld, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld.

Selbstständige, Vermieter und Rentner müssen übrigens immer dann eine Steuererklärung machen, wenn ihr Einkommen den Grundfreibetrag von 9.000 Euro (2018 für Ledige, 2017: 8.820 Euro) bzw. 18.000 Euro (2018 für Verheiratete, 2017: 17.640 Euro) übersteigt.

Detaillierte Informationen, wer eine Steuererklärung erstellen muss, finden Sie in unserem Artikel Abgabepflicht für die Steuererklärung.

 

Steuerzahler sollten sich dieses Jahr den Mittwoch, den 31. Juli 2019 dick ankreuzen. Mit der Steuererklärung 2018 wurde die Abgabefrist erstmalig um zwei Monate verlängert.

Steuerbürger, die die Hilfe eines Steuerberater in Anspruch nehmen, bekommen ebenfalls mehr Zeit. Für sie verlängert sich die Frist vom 31. Dezember des Folgejahres auf den 28. beziehungsweise 29. Februar des übernächsten Jahres (siehe Tabelle). Für 2018 gilt hier aufgrund des Schaltjahres folglich der 29. Februar 2020.

Bis zu diesem Datum müssen Sie die Steuererklärungen für das Jahr 2018 beim Finanzamt abgeben.

Abgabefristen für die Steuererklärung

Wenn Sie Ihre Steuererklärung… … freiwillig abgeben: …abgeben müssen
(mit Steuerberater)
Für das Steuerjahr 2013 31.12.2017 02.06.2014
(31.12.2014)
Für das Steuerjahr 2014 31.12.2018 01.06.2015
(31.12.2015)
Für das Steuerjahr 2015 31.12.2019 31.05.2016
(31.12.2016)
Für das Steuerjahr 2016 31.12.2020 31.05.2017
(31.12.2017)
Für das Steuerjahr 2017 31.12.2021 31.05.2018
(31.12.2018)
Für das Steuerjahr 2018 31.12.2022 31.07.2019
(29.02.2020)
Für das Steuerjahr 2019 31.12.2023 31.07.2020
(28.02.2021)

Abgabefrist verpasst? Irgendwann kommt die Mahnung!

Lassen Sie nichts von sich hören, wird Ihnen das Finanzamt früher oder später eine Mahnung schicken und Ihnen eine Frist setzen. Diesen Termin sollten Sie ernst nehmen, sonst kann ein Zwangsentgelt festgesetzt werden, außerdem droht ein happiger Versäumniszuschlag. Besser also, Sie melden sich rechtzeitig.

Fristverlängerung beantragen

Können Sie jedoch absehen, dass Ihre Steuererklärung auch in den nächsten Wochen nicht fertig wird, bemühen Sie sich besser heute als morgen um eine Fristverlängerung. Diesen Antrag sollte man eigentlich schon vor dem 31. Juli 2019 einreichen und man hat auch keinen Anspruch darauf, dass das Finanzamt ihm statt gibt.

Beantragen Sie am besten eine stillschweigende Fristverlängerung, wenn Sie dann nichts mehr hören, ist Ihr Antrag genehmigt. Wichtig ist, dass Sie Gründe für Ihr Anliegen nennen. Dazu zählen beispielsweise ein Umzug, eine Dienstreise, Krankheiten oder fehlende Unterlagen. Akzeptiert das Finanzamt die Verlängerung, haben Sie in der Regel höchstens bis zum 30. November Zeit, womöglich aber auch nur kürzer.

Steuerberater sorgt für Fristverlängerung

Wenn Sie einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein beauftragt haben, sind Sie fein raus. Dann verlängern sich die Abgabefristen automatisch auf den 29. Februar 2020 sofern das Finanzamt nicht ausdrücklich eine frühere Abgabe verlangt. Der Grund für den späteren Termin ist simpel: Den Steuerexperten ist es nicht zuzumuten, die ganze Arbeit in den ersten fünf Monaten des Jahres zu erledigen.

Machen Sie die Steuererklärung für 2018 hingegen selbst, müssen Sie diese bis spätestens 31. Juli 2019 beim zuständigen Finanzamt eingereicht haben. Dieser Termin gilt auch, wenn Sie sich von Familienmitgliedern helfen lassen oder ein Steuerprogramm nutzen.

Da in diesem Jahr der letzte Tag für die Abgabe auf einen Mittwoch und somit auf einen Wochentag fällt, gibt es auch keine Gnadenfrist wie in anderen Jahren.

Haben Sie die Abgabefrist (31.07.2019) versäumt, dürfte das noch kein größeres Problem sein. In den ersten Tagen und Wochen haben die Finanzbeamten ohnehin alle Hände voll zu tun, um die bereits eingelaufenen Erklärungen zu bearbeiten. Hinzukommt, dass auch die Finanzämter in den Sommermonaten aufgrund der Ferienzeit ebenfalls eher dünn besetzt sind.

Wie sich die neue Abgabefrist in der Hauptferienzeit auf die Bearbeitungsdauer auswirkt, wird sich ebenfalls noch zeigen. Die Abgabefristen der säumigen Steuerzahler werden daher sicherlich erst einmal kulanterweise nicht geprüft. Wenn Sie Ihre Formulare jetzt schnell nachreichen, werden Sie wohl keine Probleme bekommen.

Verspätungszuschlag: Ab 2020 wird es teuer

In § 152 AO wurde für die Steuerjahre ab 2018 genau geregelt, wann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag zwingend erheben muss. Der Sachbearbeiter hat dabei keinen Entscheidungsspielraum mehr, wie dies bisher der Fall war.

Der neue Mindestverspätungszuschlag beträgt 25,00 Euro für jeden angefangenen Verspätungsmonat. Ist ein Steuerzahler zur Abgabe verpflichtet, kann der Verspätungszuschlag erstmals 14 Monate nach dem Pflichtabgabetermin erhoben werden.

Beispiel: Geben Sie bei einer Pflichtveranlagung die Steuererklärung für 2018 ohne Steuerberater (Termin: 31.07.2019) nicht innerhalb von 14 Monaten ab, wird ab Dezember 2020 der Verspätungszuschlag erhoben. Pro Monat werden dann mindestens 25 Euro fällig.

Wer freiwillig abgibt, hat länger Zeit

Wenn Sie zu denjenigen gehören, die nicht zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind, muss Sie das alles gar nicht interessieren und Sie müssen die Abgabefristen nicht beachten. Der Fiskus erwartet kein Geld von Ihnen, sondern muss wahrscheinlich welches zurückzahlen.

Gerade deshalb tun Sie aber gut daran, die Einkommensteuererklärung nicht auf die lange Bank zu schieben. Von Rechts wegen hätten Sie lange genug Zeit: Bei freiwilliger Veranlagung bleiben grundsätzlich vier Jahre Zeit, eine Steuererklärung abzugeben. Das ist die normale Festsetzungsfrist nach § 169 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 der Abgabenordnung (AO).

Ihre Steuererklärung für 2018 müsste also bis zum 31. Dezember 2022, 24 Uhr beim Finanzamt eingegangen sein, sonst ist die ganze Arbeit für die Katz.

Fällt das Ende der Festsetzungsfrist auf einen Sonntag, einen gesetzlichen Feiertag oder einen Sonnabend, endet sie erst mit dem Ablauf des nächstfolgenden Werktags (2. Januar des Folgejahres).
(BFH-Urteil vom 20.1.2016, VI R 14/15)

Abgabefrist für die Steuererklärung für 2015 endet am 31.12.2019, 24 Uhr

Ende 2019 läuft die Frist für die Steuererklärung für 2015 endgültig aus. Da der 31.12.2019 ein Dienstag ist, muss auch die Steuererklärung für das Jahr 2015 am 31.12.2019, 24 Uhr dem Finanzamt vorliegen.

Lehnt der das Finanzamt die Antragsveranlagung wegen verspätetem Eingang der Unterlagen ab, hilft Ihnen in diesem Fall nur Einspruch gegen den Bescheid des Finanzamts einzulegen und im Zweifelsfall muss der Klageweg mit Hilfe eines Steuerberaters bzw. Rechtsanwalts in Steuerfragen in Ihrer Nähe eingeschlagen werden.

Besser ist es jedoch, man reizt den Spielraum nicht aus, sondern kümmert sich frühzeitig. Erfahrungsgemäß ist es leichter, die nötigen Unterlagen im Folgejahr zusammenzustellen, als vier Jahre später. Außerdem geht es ums Geld – wer will schon vier Jahre lang auf eine Rückzahlung warten?